Eine Gruppe Salzburger Funkamateure lies die Zeiten von ARTOB und BARTOB wieder aufleben. Denn schon in den 70er Jahren gab es Ballonstarts von Funkamateuren, die mit einer Amateurfunk Nutzlast Funkverkehr über weite Entfernungen auf VHF und UHF ermöglichten. Wir nannten unser Projekt natürlich:

 SARTOB = Salzburg Amateur Radio Transponder on Ballon

Irgendwann 1997 plauderten Ralf OE2AXL und ich über die schönen alten ARTOB Ballon - Funkverbindungen. Da fiel ihm ein, er habe seit Jahren einen Meteo Ballon zu Hause liegen. Den könnten wir mit einem Sender ausrüsten und starten. Ich bot an, wenn schon dann sollte es ein richtiger Umsetzer sein, der Funkverbindungen ermöglicht. Ich würde den dazu notwendigen Transponder in Leichtbauweise bauen.  Da der Ballon eine Gipfelhöhe von etwa 30 km erreichen kann, sind so sehr grosse Reichweiten auch mit kleinen Sendeleistungen auf VHF und UHF möglich. Errechnet haben wir ein Einzugsgebiet von Süditalien bis Mittelschweden.

Schon im Juni 1998 konnten wir unseren Sartob starten, denn die notwendigen Bewilligungen waren eingeholt. Es gelang bei herrlichem Wetter ein Traumstart, wie er eben nur Anfängern gelingt. Aufgrund der getätigten Funkverbindungen konnten wir auf eine Gipfelhöhe von über 25 km schliessen. Bei vielen Gesprächen mit Besuchern am Startort und auch vielen Funkverbindungen über den Transponder startete leider unser Bergeteam zu spät und fand den Ballon nicht mehr, da nach dem Platzen der Ballonhülle die Nutzlast am Fallschirm ziemlich schnell zu Boden ging und wahrscheinlich die Styropor Antenne zerbrach. Doch unsere Freude war sehr

Die Idee war geboren und Ralf entwickelte die Ballon-Befülltechnik, den Fallschirm und erledigte die sonstigen organsatorischen Notwendigkeiten. Ich dagegen verbrachte die Nächte in meinem HF-Bastelkeller und baute Sender, Empfänger, sowie eine Trennweiche und Antennen unter der Pflicht auf geringstes Gewicht und Stromverbrauch. Ein luftdichtes Gehäuse aus Styropor samt Platz für die notwendigen Lithium Batterien vervollständigte die Nutzlast.
Im Bild links ist diese zu sehen samt einer Kombiantenne 2m / 70cm aus Styropor und Litzendraht.

gross, als eine Woche später ein Anruf aus einem eines Ausfluggasthaus kam. Ein Wanderer hatte die Nutzlast gefunden und dort abgegeben.

Sartob-2 am 27. 9. 1998

Sartob-3 am 9. 10. 1999

Die vielen, teilweise weit angereiste Zuseher bei den Starts motivierten uns zum Bau einer neuen Nutzlast mit noch mehr Möglichkeiten.

Diese sollte eine Kamera samt Fernsehsender auf 2400 MHz, sowie endlich ein finanzierbares GPS Modul erhalten. Dessen Daten sollten im 5 Minuten Rhythmus alternativ zum Sprachumsetzer in Packet Radio ausgestrahlt werden. Die Ablaufsteuerung dazu wurde von DC5MC und DG2MMO entwickelt. So wurde  ein Wiederfinden der Nutzlast wesentlich wahrscheinlicher. Dadurch kehrte die Mikroprozessortechnik in unser Projekt ein. In Folge, aber hauptsächlich durch den TV-Sender wurden Stromverbrauch und Gewicht wesentlich erhöht.

Dieses Experiment sollte eines unserer Spektakulärsten  werden. So war unser Verfolgerteam dank GPS bestens informiert, als der Ballon die hohen Tauern überquerte, anschließend ganz Kärnten überflog und sogar die Staatsgrenze Richtung Slowenien passierte. Ein Alptraum für unsere Verfolgerteam, denn mit ihrer high-tech Ausrüstung hätten sie niemals die Grenze passieren können. In Gipfelhöhe drehte jedoch ein freundlicher Wind und der Ballon kam in einer wunderbaren Kehre wieder zurück nach Kärnten. Es klingt wie ein Märchen, aber es ist wahr: Der Fallschirm landete vor vielen Zuschauern mitten auf einem Modellflugplatz in Hundsdorf. Einer der dort Tätigen barg die Nutzlast und schaltete den (leider) aussenliegenden Batterieschalter ab. So war zuletzt eine metergenaue Peilung unmöglich. (Wieder was gelernt)
Aber mit Hilfe der damals noch existierenden Gendarmerie konnte die Herausgabe unserer Nutzlast erwirkt werden.
Viele hundert Funkverbindungen aus halb Europa schmücken unser Log von diesem denkwürdigen Tag.

Aufgrund des grossen Erfolges wurde noch für den folgenden Herbst ein erneuter Start angekündigt. Diesmal war zusätzlich zum Transponder ein Zweitsender an Bord, der den Aussendruck mit einem Drucksensor mass und über einen Sinuston im Bereich 300 Hz bis 3 kHz grob die Höhe angeben konnte.

Dieser Flug ging über 4 Stunden und leider in das Gebirge. Obwohl die Peilmannschaften rechtzeitig gestartet waren, endete diese Aktion mit einen Totalverlust im hochalpinen Gelände zwischen Salzburg und Tirol. So ruht in Frieden ein Ballon samt Transponder  am Gerlospass.

Oben ein Blick in das Innenleben.
Man sieht, daß wir zu einer Styropor Hohlkugel übergegangen sind. Daher ist der Innenaufbau in 3 Ebenen möglich. Ganz unten als Schwerpunkt die Batterien, dann das gezeigte Zwischendeck und ganz oben saß nur die GPS Antenne.
Links die Ablaufsteuerung mit GPS Modul, PIC Prozessor, sowie Packet Radio Elektronik.

Rechts ist der Sprachumsetzer = Transponder und das kleine Kästchen ist ein neuer Hilfssender mit nur 70 mW samt innenliegender Ringantenne. Daher sollte eine Peilung selbst bei zerbrochener Hauptantenne noch möglich sein. Der Hilfssender war diesmal mit einer analogen Innen-Temperaturmessung zwischen -50 und +50 Grad moduliert. Es wurden entsprechende Töne zwischen 500 und 1500 Hertz ausgegeben.

Die “Laterne” beeinhaltete die Schwarzweisskamera, welche abgeschirmt im Inneren des Epoxyd Kästchens sass, um vor HF Einstrahlung geschützt zu sein. Dessen Aussenwände trugen die 4 Doppel Loop Antennen für 2,4 GHz.

Linkes Bild: Eine Minute nach dem Start

Sartob-4 am 1.5.2000

Der Milleniumsstart wurde von sehr vielen Zusehern vor Ort verfolgt und trug unseren  “höchster Maibaum”.

Diese Ballonfahrt führte über etwa 4 1/2 Stunden in das Gebiet des wilden Kaisers in Tirol. Willi DF2ML hatte einen stärkeren ATV Sender spendiert und so konnten wir die Bilder vom Start weg fast bis zur Landung verfolgen.
Wie man unten sieht, haben wir auch an der Leitstation kräftig aufgerüstet und Ludwig DL3LFA / OE3LFA unser bewährter Fahrdienstleiter für die Funkverbindungen ist an unseren Startort in Wals übersiedelt.

 

Das Peilteam konnte bereits 15 Minuten nach der Landung ein erfolgreiches Bergen der Nutzlast per Handy melden. So blieben noch viele Besucher bis zum Abend, um die Heimkehr des Bergeteams kräftig mitzufeiern.

Sartob-5 am 1.5.2001

Man kann nicht immer Glück haben. Für diesen Start kamen die bestellten Lithium Batterien leider nicht rechtzeitig. So mussten von den Vortests schon etwas angebrauchte Batterien verwendet werden.
Immerhin haben wir als Neuerung eine zusätzliche Farbkamera horizontal eingebaut, die  mit etwa 15° Neigung nach unten zeigte. Diese wurde von der Ablaufsteuerung im 3 Minuten Wechsel auf den Sender geschaltet. Erstmals bekamen wir wirklich gute Übertragungen aus dem Ballon geliefert, wie man an den beiden unteren Bildern sehen kann.

Der Ballon machte sich diesmal nach Nordosten auf die Reise, ziemlich der Autobahn folgend. Leider machten nach etwa 3 Stunden die Batterien schlapp und das Verfolgerteam musste umkehren. Denn ohne GPS Daten und ohne peilbares Signal gibt es keine Chance auf Auffindung der Nutzlast. Optisch verliert man den Ballon spätestens bei einer Höhe von 5 km aus den Augen.

Auf Pech folgt Glück: Ein Linzer Wochenendhaus Besitzer saß auf seiner Terrasse in der Gegend von Wels und sah etwas an einem Falschirm herunter kommen. Er hat es geborgen und  über die aufgeklebten Zettel unsere Adresse erfahren und die Nutzlast zurück geschickt. Noch einemal ein herzliches Danke an den freundliche Zeitgenossen, der ungenannt bleiben will.

Sartob-6 am 14.6.2001

Schon 6 Wochen nach dem letzten Start waren wir schon wieder voller Tatendrang, aber diesmal mit frischen Batterien. Unser Extra war ein roter Partyballon als zusätzlicher Auftrieb, damit der Hauptballon nicht mehr so prall aufgeblasen werden musste. Das sah nach dem Start zumindest recht interessant aus.


Auch unser Pressemann Gerhard OE3DIG, dem nie ein Detail entging, sah das wohl so.

Die Reise ging diesmal in das Salzkammergut und unser Bergeteam hatte viele bange Minuten zu überstehen, denn der Ballon stand ewig lange mitten über dem Traunsee. Währenddessen hat unser bewährter Fahrdienstleiter Ludwig wieder über 300 Funkverbindungen gekonnt und im Konteststil abgearbeitet, sowie für vorbildliche Funkdisziplin gesorgt.

Nach dem Platzen der Hülle hat sich der Fallschirm für den Grünberg bei Gmunden entschieden und unser sportliches Bergeteam hat gerade noch eine Extrafahrt mit der Seilbahn ergattern können und mussten dann nur den Berg hinunter klettern, statt hinauf.

Ein ganz herzliches Danke an diese verwegene Truppe, für die es nie ein “geht nicht” gab. Unten ein entsprechend ausgerüstetes Verfolgerfahrzeug, sowie rechts die entspannten Minen, als sie die unbeschädigte Nutzlast geborgen hatten. Ein Erzählen und Fachsimpeln bis lange in die Nacht rundeten diesen spannenden Tag ab.

Sartob-7 am 11.5.2002

Wir wollten endlich auch einmal Fernsehbilder aus grossen Höhen fehlerfrei empfangen. Dazu musste die Nutzlast wieder einmal umgebaut werden, nämlich den Sender in das 23cm Band verlegen, was erstens eine höhere Sendeleistung ermöglicht und eine deutlich höhere Reichweite erlaubt. Das war der Hauptzweck dieses Experiments.

Aber auch unsere Funkfreunde von der Digitaltechnik waren nicht untätig. OE5DXL und OE2UKL entwickelten Prozessoren speziell für die Belange der Funktechnik. Wir durften gleich einen derartigen UC-100 mit an Bord nehmen und konnten so zusätzliche Messdaten wie Druck, Innen- und Aussentemperatur etc... mit aussenden und noch dazu mit einem im AFU genormten Protokoll APRS. So konnten viele andere Funkfreunde auch unsere Daten mitschreiben, sowie dank GPS auf einer Karte mitverfolgen, wo sich der Ballon gerade befindet.

Der Ballon ging gerade nach Norden in die Gegend von Braunau und landete auf einer Wiese bei Bergham. Hier gelang es zum ersten und einzigen Mal der Verfolgercrew, schon vor der Landung vor Ort zu sein und deshalb gibt es auch spektakuläre Bilder von der Landung und Bergung.

Solche Momente  genießen, die kommen so rasch nicht mehr.

Sartob-8 am 10.5.2003

Hier haben wir uns wieder etwas neues ausgedacht. Zur Verlängerung der Flugdauer wurden zwei Ballons eingesetzt, die leicht unterschiedlich befüllt wurden. So sollte einer platzen und am anderen ein sehr langer Abstieg eingeleitet werden. Ein Fallschirm war natürlich zusätzlich vorhanden. Erstmals war auch ein 10 m Bakensender an Bord. Mit der Lithium Batteriekapazität waren wir beim Maximum von 13 AH angekommen, was für die vielen Extrageräte und gewünschte lange Laufzeit auch notwendig war. Ab einer gewissen Mindestspannung wurde über den Prozessor der ATV Sender abgeschaltet, um eine längere Peilbarkeit zu ermöglichen.

Oben, die vorgeschriebene Rufzeicheneinblendung in das ATV Bild aus Styropor mit 2 Krokodilklemmen an die 10 m und an die 2m Antenne geclipst.
Mitte, die 3 Grazien warten ungeduldig auf den Start.

Die wieder einmal umgebaute Nutzlast von aussen und links das Innenleben. Das Platinenmaterial ist aus Gewichtsgründen nur 0,2 mm dick. Es wird langsam eng in der Kugel und ein völliger (schönerer) Neuaufbau für spätere Starts kündigt sich an.

Links unten die Leitstation mit Ludwig DL3LFA und Gery OE2IGP war natürlich ab dem Start heiss umlagert. Unten rechts in Bildmitte, der ÖVSV Präsident Michael OE3MZC, der samt Familie extra aus Wien angereist war.

Ralf OE2AXL an den Richtantennen für das Fernseh- und Transpondersignal.

Die Ballonfahrt verlief erwartungsgemäss über lange Zeit Richtung Norden, den Flachgau, Oberösterreich und über das Mühlviertel sogar auf tschechisches Gebiet. Eine erneute Herausforderung an die Fahrkünste unserer Verfolgerteams. Aber dann erfasste eine Westströmung den Ballon und er kam nach Niederösterreich, um schliesslich in einem Waldstück bei Gmünd zu landen.

Hier konnte unser mittlerweile sehr erfahrenes Bergeteam die Nutzlast unter nicht restlos geklärten Umständen aus einem hohen Baum bergen und spätabends nach Hause bringen. Aber wir haben natürlich noch solange ausgeharrt.

Sartob-9 am 8.5.2004

Diesmal wurde die Nutzlast völlig neu aufgebaut und auch die Antennentechnik verbessert. Das Richtdiagramm der ATV Antenne besaß nun eine Hauptkeule 45° nach unten. Es konnte trotz mehr Hardware sogar etwas Gewicht gespart werden, sodaß ein Ballon wieder genügend Auftrieb lieferte.

Links unten in Bildmitte der Laptop mit Kartenprogramm, das die Ballonspur direkt anzeigen konnte. Rechts der TV Monitor mit dem ATV Bild kurz vor dem Start.
Rechts unten der mittlerweile schon recht geordnete Aufbau des HF-Decks.  Der rötliche Schein am Außenumfang des Styroporkreises stammt von einem Kupferband, das über ein Anpassnetzwerk eine Ringantenne für 2m bildet.

Die Fahrt ging bei wenig Wind in der Gebiet der Trumer-Seen und später wieder retour Richtung Salzburg. Erstmalig erreichten wir eine Gipfelhöhe über 30 km. Bei Anthering erfolgte jedoch die Landung ziemlich abrupt in einem Wildschwein Gehege. Unser Bergeteam musste diesmal wieder völlig neue Aufgaben meistern, denn ein Autofahrer wollte die Nutzlast gerade in seinem Kofferraum verschwinden lassen.

Als Krönung und Abschluss unserer Ballonexperimente:

Sartob-10 am 14.5.2005

Ohne ihn wäre Mission impossible:  Der Gasmann 

 Ralf OE2AXL, Ballon, Fallschirm, Organisation                       

Walter OE2TZL, HF-Technik, Nutzlast 

Die Antennen wurden nochmals neu ausgetüftelt und an die gewünschten Strahlungskeulen angepasst. Links die TV Antenne für 23cm, rechts die Kombiantenne 2m / 70cm für den Transponderbetrieb

Die Startvorbereitungen gelangen mittlerweile schon recht routiniert, bis plötzlich beim Festschrauben der Innenleiter der 2m Antenne brach. Eine Blitzreparatur von Fritz und mir gelang und wir konnten gerade noch rechtzeitig im Zeitfenster von Austro Control starten.
Das Adrenalin konnte wieder abgebaut werden.

Die Telemetriedaten wurden ab dem Start aufgezeichnet und hinterher als Grafik ausgewertet. Interessant ist, dass es im Inneren der Nutzlast nie zu kalt wurde.

Die Ballonfahrt verlief wieder einmal Richtung Nordost etwa der Westautobahn folgend.

Es wurde ein neuer Rekord an Funkverbindungen gezählt, was beweist, daß derartige Experimente für eine große Zahl von Funkamateuren interessant sind. Auch diesmal haben wir die 30 km Schallmauer überboten. Der höchste GPS Messwert betrug 30388 Meter.

Um etwa 12.20 Uhr platzte die Ballonhülle und leider erfolgte der Abstieg viel zu rasch und die Landung erfolgte hart in einem riesigen Rapsfeld nördlich von Wels. Dadurch konnte die Nutzlast nicht mehr gefunden werden.

Im Verlauf dieser Experimente über etwa 10 Jahre ist kein Unfall und auch kein sonstiger unliebsamer Vorfall passiert.
Dafür sind wir sehr dankbar.

Abschliessend will ich noch allen Beteiligten herzlich danken für den Einsatz: DG2MMO, DC5MC, DD5GD, DL3LFA, DL4GLE, DF2ML, OE2AXL, OE2RYL, OE2PNL, OE2IGP, OE2WAO, OE2HAP, OE2WSO, OE2FON, OE2CZP, OE2HVM, OE2HRO, OE2WNO, OE2UKL, OE3DIG, OE5DXL und ein ganz besonderer Dank gebührt unserem uneigennützigen “Gasmann”.                                 Walter, OE2TZL

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