Albanien
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5. - 6. 5. Ulcinj  -  Shkodra / Albanien                                                                 41  km                  Ges:  1391 km          

Wir verließen Montenegro und mussten eine volle Stunde bei der Ausreise warten, wobei fast nichts los war an der Grenze. Die Einreise nach Albanien war in gemessenen 3 Minuten erledigt. Wenn das kein gutes Omen ist?

Nach kurzer Fahrt waren wir auch schon in Shkodra, wobei wir wegen des Blumenfestes den Stadcamping Legjenda wählten. Ein Glücksgriff, denn das Besitzerehepaar war dermaßen nett und zuvorkommend, daß es uns schon fast peinlich war.

Er ist Künstler und alle Kunstwerke in CP und Restaurant stammen von ihm. Die Frau des Hauses ist studierte Historikerin und spricht nebenbei fließend 5 Sprachen. Na klar belegte ich sie mit vielen Fragen und beide zeigten deutlich, daß auch ihnen die Kommunikation mit uns Österreichern viel Freude macht. Sie ließen es sich nicht nehmen, uns nach dem Mittagessen mit dem no na Mercedes in die Altstadt zum Blumenfest zu fahren.

Das Blumenfest mit seinen Umzügen war zwar schon vorbei, aber wir wurden auch so mit vielen Eindrücken verwöhnt.

Mutter Theresa wird natürlich in ganz Albanien verehrt, davon zeugen die vielen Skulpturen. Was noch sofort ins Auge springt: Katholiken, Orthodoxe und Moslems vertragen sich völlig problemlos. Sowohl im Zusammenleben, als auch mit ihren Sakralbauten. Warum schaffen wir das in Mitteleuropa nicht? Beim Heimweg umrundeten wir die Burg, die wir am nächsten Tag besteigen würden.

Doch vorher haben wir uns ein opulentes Abendessen verdient, natürlich im Legjenda, das der Künstler in der Art eines Kreuzweges mit der Legende um die Burg sehr eindrucksvoll gestaltet hat. Davon rührt auch der Name des Lokals, das das Ehepaar zuerst errichtet hat. Erst später kam der CP dazu. Wir haben aber nicht nur die Augen verwöhnt, sondern auch den Gaumen. Beraten vor einem vorzüglich englisch sprechenden Ober, wußten wir stets genau was wir bekommen würden und das noch in einer vorzüglichen Qualität. Ein trockener Merlot vom Weingut des Bruders unseres Hausherrn mundete uns bestens. Ja dieses Restaurant und CP kann ich wärmstens empfehlen, ich würde selbst gerne wieder dort hin kommen.
Vor lauter Begeisterung bleibt kein Platz mehr für die Legende der Burg. Aber die ist in Google leicht nachzulesen.

Der nächste Tag empfing uns leider mit Regen und Wind. Ich konnte meine lockerine trotzdem überreden, den Marsch zur Burg anzutreten. Auf halber Höhe sahen wir die Bleimoschee aus 1772, die zwischen den Flüssen liegt und daher oft überschwemmt wird. Am Eingang der Burg tat trotz des Sauwetters ein Beamter Dienst und nahm uns 200.- Leke pro Nase ab. Außer uns war nur ein kleines Grüppchen Muslima unterwegs. Schade daß die Fotos nicht besser geworden sind, doch bei Regen versagt auch mein braves Arbeitstier.

7. - 8. 5. Shkodra - Tirana                                                                                104  km                  Ges:  1495 km          

Die Weiterfahrt in die Hauptstadt war schon wieder von Regen geprägt. Auch die Landschaft lud nicht gerade zum Photografieren ein, lediglich ein Bild von einem Eigenbau Stretch-Wohnmobil möchte ich euch präsentieren. Ob die berühmten albanischen Großfamilien auch zusammen verreisen?

Oben die Einfahrt nach Tirana, gesäumt mit sehr schönen Hotels. Die Straßen bis in das eigentliche Stadtgebiet waren tadellos, dann kamen natürlich die ungepflegten Stadt-Straßen mit tiefen Löchern im Asphalt, fehlenden Kanaldeckeln und ein kunterbuntes Durcheinander aller Verkehrsteilnehmer. Aber so sind alle Großstädte in Albanien, man muß sich halt darauf einstellen. Wir mußten die ganze Stadt von Norden nach Süden durchqueren, aber so schlimm, wie in manchen RB´s geschildert empfanden wir die Fahrweise der Tiraner nicht. Im Orsteil Sauk gibt es das Hotel Baron, das 5 Stellplätze betreibt und der Hauptgrund für die Wahl: 20 m entfernt davon fährt eine Busline direkt ins Zentrum zum Skanderbeg Platz für wohlfeile 40 Cent. Vom ebenfalls angebotenen Dinner Surprise für 15.- € pro Nase waren wir allerdings schwer enttäuscht. Waren wir doch in Shkodra so verwöhnt worden.

Beim Abendbummel haben wir auch gleich ein typisch albanisches Schuhgeschäft entdeckt. Kreativität ist gefragt,  passende Paare sucht man selbst.

Im Zentrum. Sofort grüßt die Riesebaustelle der größten Moschee Albaniens. Eine großartige Idee, große Bilder vom  Endergebnis hinzustellen. Die sind sicher 3 x 5 m groß.

Im Stadtpark bekommt man zwar keinen Kaffee, aber gratis köstliches Trinkwasser aus der Riesenkanne.

Gleich an das mehr oder weniger historische Altstadtviertel schließt rund herum das Glas- und Betonviertel an. Die gebetsmühlenartig veröffentlichte Meinung mancher Medien von Albanien als ärmstes Land Europas kann ich absolut nicht bestätigen. Auch am Land wird gebaut, als gäbe es kein Morgen. Es muß also Geld vorhanden sein, egal aus welchen Quellen.

Wenden wir uns dem Skanderbeg Platz zu, der nach dem Gründervater benannt ist, der im ganzen Land hoch verehrt wird.  Im Gegensatz zu Envar Hoxha, dem langjährigen, irren Diktator des 20. Jh.

Gleich zu Beginn besuchten wir den ehemaligen Atombomben sicheren Bunkart für das Innenministerium, heute als Museum gestaltet. Wer weiß, ob wir nach dem Besuch der Altstadt noch die Kraft gehabt hätten?

Links das Büro des Innenministers. Wer kann sich an den Pet 2000 noch erinnern? Lockerine steht am Diesel für Luftumwälzung und Stromerzeugung.
Gänge wie im Hochsicherheitsgefängnis, sogar für Kunst hatten sie Platz.

Mehr Bilder will ich nicht zeigen, da es hier sehr martialisch und kriegerisch zuging und das ist gar nicht unser Ding.

Lediglich eine Menge chinesischer Funktechnik hat mich etwas interessiert, dort war leider Foto Verbot. Hoxha hat sich ja mit der ganzen Welt zerstritten, nur die Chinesen unterstüzten ihn lange Zeit. Bis er auch mit China in seinem Verfolgungswahn brach. 

750 000 Bunker in dem kleinen Land sprechen für sich.

Hier ist er nun, der große Skanderbeg, rechts das Magistrat.

Parlament links und Opernhaus rechts sind erstaunlich schlicht gehalten. Unten links der Platz im Momentanzustand, also eine riesige Baustelle und rechts das Bild wie es wird.

Christlicher Uhrturm und alte Moschee vertragen sich auch hier bestens. Ich stieg auf den Turm, um Tirana aus 35 m Höhe zu genießen. Die begrünten Dächer haben mir besonders imponiert.

Natürlich wollten wir zum Schluß diesen gigantischen Palazzo Protzi besuchen. Das modernste und größte Einkaufszentrum Albaniens mit mehreren hundert Einzelgeschäften. Hier bekommt man alles, was es auch im Rest Europas zu kaufen gibt. Allerdings auch zu Preisen wie in Rom oder Paris.

Die gähnende Leere in den Geschäften zeigt allerdings auch, daß die Planer die Kaufkraft der Albaner völlig ignoriert haben und Touristen sieht man in der Hauptstadt noch sehr wenige.

Ich fürchte, diese Pracht wird wohl bald wieder zusperren müssen.

9. - 10. 5. Tirana - Elbasan - Ohrid See                                                          107  km                  Ges:  1602 km          

Die Fahrt nach Elbasan verlief auf einem Stück Autobahn relativ flott. Leider fing es auf der Strecke schon wieder zu Regnen an. Was soll der Besuch des landesweit größten Marktes bringen, wenn man vor lauter Regenschirmen, Kunststoff Abdeckungen und Markisen nichts sieht?
Genaus so kam es dann auch. Ich fand zwar einen brauchbaren Parkplatz gegenüber der Moschee, doch der Regen blieb uns treu. Wir kämpften uns durch den Markt, immer auf der Hut von Regenschirmspitzen nicht erstochen zu werden.

Es gibt dort wirklich alles, von Obst und Gemüse, Würsten, Brot, Haushaltswaren, Fernsehantennen, Elektroartikeln, Brautkleidern bis zu Möbeln. Alles im Freien aufgebaut und notdürftig mit Planen und dergleichen abgedeckt. Bei schönem Wetter wäre das sicher ein herrlicher Einkaufsbummel mit vielen Fotos geworden, so aber blieb die Kamera im Rucksack.

Der einzige überdachte Bereich war für die Gemüsehändler reserviert, wo wir uns kräftig eindeckten und mit unzähligen Plastiksackerln schwer bepackt wieder auf den Weg zum Womo machten. Plasiksackerl sind in Albanien sehr in Mode. Wenn man auch nur einen Paprika kauft, wird der in PVC verpackt an den Kunden ausgehändigt. Man kann das gar nicht vermeiden.
Wir wollten zwar eine Nacht in Elbasan zwecks Besuchs der Altstadt bleiben, aber bei dem Wetter fuhren wir lieber weiter Richtung Perrenjas und dann zum Paß.

Die Weiterfahrt durch eine wildromantische Gegend entlang der römischen Via Ignatia und dann in unzähligen Serpentinen sich den Paß hinauf arbeitend wäre recht schön gewesen. Na ihr ahnt es schon, wenn nicht ohne Unterlass der Scheibenwischer Scheibe gewischt hätte.

Erst am CP Erlin wurden wir endlich vom Regen erlöst. Es wurde schöner und auch der CP war in einem sehr gepflegten Zustand. Einzig die Kommunikation ließ zu wünschen übrig. Koch und CP Manager sprachen ausschließlich albanisch, doch Gusti bekam ihre Ohrid Forelle und ich eine Art Spieß und sogar das beste Bier Albaniens Korca.

Der See war noch etwas zu frisch zum Baden, so beschlossen wir eine Bergwanderung. Wir wollten nämlich eine möglichst gute Ansicht von dem kipferlförmigen See, sowie auch vom mazedonischen Teil des Sees gewinnen.

Wir sind tatsächlich bis zum Gipfel gewandert, Leider haben wir weder ein Gipfelkreuz noch einen Gipfel-Halbmond gefunden. Der Regenbogen war jedoch Belohnung genug.

Der albanische Vollmond sieht natürlich ganz anders aus.

Die Weiterreise hätte ich gerne durch die südöstlichen Berge jenseits von Korce gemacht. Doch alle bisher befragten Albaner rieten übereinstimmend davon ab. Das wäre besser etwas für Allrad getriebene Fahrzeuge, der Meinung schlossen wir uns an.

11. 5. Ohrid See  -  Fier                                                                        175  km                  Ges:  1777 km          

Also wieder hinauf auf den Paß mit einem letzten Blick auf den See. Auf der Paßhöhe hielten wir noch etwas an, da es diesmal wenigstens trocken war.

Hier gibt es außer einer Tankstelle und einer Art Gaststätte unzählige Bunker, die die an sich schöne Landschaft restlos verschandeln. Die braunen Erdlöcher rechts zeugen von der Sprengung schon vieler Bunker. Bei der Anzahl wird das halt noch Jahrzehnte und viele Tonnen TNT brauchen.
Der Paß ist fast 1000 m hoch und offenbar sehr wasserreich, auf der westlichen Abfahrt quert man ständig frei über die Straße laufende Bächlein. Wenig überraschend war auch, daß alle paar hundert Meter ein lavaz seine Dienste anbot. Das ist in der Regel ein junger Mann mit einem ständig laufenden Wasserschlauch, der für wenig Leke das Auto grob abspritzt. Bei unserem Regen-Urlaub hatten wir das nicht nötig. Das Womo war meist blitzblank.

Erneut ging es zurück nach Elbasan, das wir aber diesmal nur durchfuhren. Das nächste Ziel war Fier, beileibe keine Zier, aber nach 175 km Landstraße war es genug für einen Tag. In der Gegend wurde um 1950 Erdöl gefunden und deshalb entstand die Stadt. Der Geruch nach Erdöl ist heute noch vorhanden. Einzige Attraktion ist die Weltkugel rechts.

5 km südlich von Fier entdeckten wir einen Natursee mit einem kleinen Restaurant. Obwohl wir nur auf ein Getränk einkehrten, durften wir für die Nacht hier kostenlos stehen. Der Sohn konnte etwas italienisch, so radebrechten wir ganz köstlich. Die Eltern hörten zu und lachten. Leider kann man um den See nicht spazieren, weil es keinerlei Weg gibt. Das wird wohl auch der Grund sein, warum wir die ganze Nacht alleine hier standen hihi.

12.- 14. 5. Fier  -  Gjirokaster                                                                        112  km                  Ges:  1889 km          

Auf der Fahrt nach Süden kamen wir hoch in den Bergen bei Tepelena,einem Ort mit bestem Quellwasser vorbei, das unkontrolliert vom Felsen herunterschoss. Die Einheimischen zapften alle wie wild ihre Kanister voll. lockerine füllte eine kleine Flasche, die wir als das besten Mineral seit Langem einstuften. Ich habe derweil den alten Mann mit seinem Ziegenbock verewigt, dem er sogar einen Stuhl angeboten hat. Tepelena ist auch die Geburtsstadt von Ali Pascha

Der CP am Weingut. Als wir ankamen waren wir alleine. Bei der Abfahrt war er beinahe voll. Das Abendessen haben wir gemeinsam mit einem Pärchen aus Bregenz eingenommen. Wir hatten jede Menge Spaß und das 3-gängige Menu war eine Köstlichkeit. Das Lamm als Hauptgang eine Delikatesse. Der CP-Besitzer mit Töchterlein, er ist Banker und seine Eltern betreiben das Weingut. Bleiben wir gleich beim Essen:

Tagsüber bin ich schon nach Gjirokaster geradelt, um eine Möglichkeit zu suchen, wie wir zur Burg kommen. Da schon die Wege in der am Hang gelegenen Stadt sehr steil sind, bin ich nach etwa 1 km bergauf zu einem Taxistand und habe mit den wartenden Taxlern gefeilscht  über den Fahrpreis zur Burg. Sie wollten unisono € 10.- was ich für unverschämt hielt. Der Betreiber einer Taverne kam von der anderen Straßenseite und verhandelte für mich den Preis. Er betrug auf einmal € 4.- Ich ging dann mit ihm auf ein Bier. Er hatte viel Zeit und so lernten wir uns gut kennen. Alan grillt täglich 3 mal, nämlich jeweils 2 Lämmer. Die Grillkohle braucht gut 2 Stunden, bis er zu grillen beginnt. In der Zeit unterhielten wir uns sehr spannend über unsere beiden Länder.

Alan arbeitet viel und allein, unterstützt nur von einem Kellner. Das Geschäftsmodell hat er selbst gefunden, er lebt gut davon und wenn sein Gegrilltes zu Ende ist, ist eben Sperrstunde für den Tag. Mehr Angestellte will er nicht, denn da greift sich sofort der Staatsapparat fast den ganzen Gewinn.

Alan should you ever read this pages: Enjoy your business and keep as friendly and smart as I learned you to know.
Kind regards your friend Walter from Austria.

Natürlich fuhren wir am nächsten Tag um wohlfeile € 4.- zur Burg über steile Kopfsteingassen, daß wir etliche Male fürchteten, der alte Benz würde das nicht mehr schaffen.

In diesem “Vogelkäfig” werden im Sommer Jazz Festivals aufgeführt.

Die Stadt der steinernen Häuser (sogar die Dächer sind aus Stein) hat ja eine eigenartige jüngere Geschichte. Sie ist die Geburtsstadt des Diktators Envar Hoxha. Nach dessse Tod kam Gjirokaster sehr in Verruf und wem immer es möglich war, zog fort. Es blieben nur etliche Tausend alte Leute übrig. Erst um 1980 entsann man sich der viel längeren historischen Bedeutung der Stadt und zögernd begann die erneute Besiedelung, vorwiegend aus touristischen Gründen. Die dabei entstandenen Gebäude haben mit der Stein - Baukunst nichts mehr zu tun. Die Burg jedoch ist schnörkellos im alten Stil renoviert worden, sogar die üblichen Souvenierstände fehlen völlig. Vielen Dank an die Verantwortlichen. Lediglich die Kriegsnarren haben sich durchsetzen können und so findet man Panzer, Kanonen und sogar einen abgeschossenen US-Kampfjet.Die Burg bietet natürlich auch atemberaubende Ausblicke auf die gesamte Stadt.
Man sollte jedoch aufpassen, wohin man tritt. Die Burgmauern haben Lücken und da geht es senkrecht nach unten.
Zum Abschluß kamen wir noch zur Kathedrale, dann ging es auf Schusters Rappen wieder den Burgberg hinunter. Der auch geplante orientalische Markt war leider wegen Totalumbau gesperrt. Na da sind wir eben zu Alan auf ein gegrilltes Lamm eingekehrt. Absolut keine schlechte Alternative.

Weil etwa Mitte der Reise ist, will ich euch ein bisschen über meine Lehren über Albanien aus vielen direkten Kontakten mit den meist sehr kommunikativen jüngeren Bürgern erzählen. Mir sind persönliche Ansichten wesentlich wichtiger als Angelesenes aus Büchern. Meine Gesprächspartner waren alle der Meinung, daß es derzeit 2 völlig verschiedene Gruppen von Albanern gibt. Aber nicht etwa Moslems und Christen, oder die beiden Ethnien Gegen und Tosken.
Es ist die Gruppe, die von der kommunistischen Zeit geprägt wurde, wo der Staat alles vorgab und jedem eine zwar sehr ärmliche, aber doch gesicherte Existenz ermöglichte. Also vorwiegend Leute jenseits der 50, die heute in Landwirtschaft, Straßenbau, meist als Hilfsarbeiter ihr bescheidenes Dasein fristen. Bildung war damals nur für Reiche und/oder Systemtreue zugänglich
Die zweite Gruppe aus der postkommunistischen Zeit hat erkannt, daß nur Eigeninitiative und Bildung zu einem selbst erarbeiteten Wohlstand führen kann. Vom Staat erwarten sie wenig bis gar nichts. Es ist unglaublich, was es hier an start ups, völlig neuen Geschäftsideen und vielen Ein-Mann Unternehmern gibt. Diese Leute stimmen mich optimistisch für Albaniens Zukunft.
Der Staat fängt erst jetzt langsam an, eine halbwegs moderne Verwaltung zu entwickeln. So werden zunehmend die vielen Schwarzbauten stillgelegt oder gar gesprengt. Stillgelegt wird, wenn der Bau zwar genehmigungsfähig wäre, aber der Bauherr die heutigen Bauauflagen nicht finanzieren kann.
Gesprengt wird, wenn es ein absolut verbotener Bau ist, zB auf gestohlenem Grund etc... Die Ruinen bleiben als Abschreckung stehen.

15.- 16. 5. Gjirokaster  -  Ksamil/Butrint                                                                    69  km                  Ges:  1958 km          

Da die Fahrt zu unserem Tagesziel nicht weit war, legten wir einen Stopp im Naturschutzgebiet des blue eye ein. Hier gibt es nur grün und blau! Sogar die Libellen waren tiefblau und dann erst die unterirdische Quelle, die kobaltblau aus den Tiefen an die Oberfläche schießt. Die Quelle wurde bisher in eine Tiefe von 50 m erforscht, aber die Ursache für die erstaunliche Farbe wurde noch nicht entdeckt.

Es gibt auch 2 Restaurants im Umfeld und selbst eine freie Womo-Übernachtung ist dort ohne Probleme möglich. Platz gibt es genug, nur die Zufahrt auf 2 km Länge ist ziemlich holprig.
Ich aber wollte weiter ans Meer, denn das blaue Auge erlaubt zwar baden, hat aber ganzjährig 12 Grad. Brrr

Und schon waren wir in Ksamil zwecks Baden, Schifferlschaun und Besuch des historischen Butrint mit seinen Ausgrabungen.

Hier konnte man es gut aushalten, bereits angenehme Badetemperaturen, ein vorzügliches Restaurant, nur der CP war eher schlicht, kostete aber auch nur € 10.-
Die Radltour zog mich zuerst zur “Bretterfähre” wie ich sie keck genannt habe.
Doch jetzt kommt natürlich Kultura pur:

Der venezianische Turm, weil Venedig überall mitmischte.

Asklepios Tempel, der älteste Teil der Ausgrabung

Die byzanthinische Basilika

Man darf sich über diese Vielfalt an Stilen nicht wundern. Butrint wurde so oft eingenommen, meist von seefahrenden Nationen und alle hinterliesen ihre Spuren.

Die wehrhafte Kapelle am höchsten Punkt der Akropolis

Rückseite des Theaters mit Resten von Wohnhäusern

Das Amfietheater, aus der griechischen Zeit

Es gibt nicht nur das Löwentor, ich bevorzugte das Schweinetor

Von da aus hat man auch einen weiten Blick ins Land und sieht einen der vielen Prachtbauten, die sich Ali Pascha erbauen ließ, jetzt allerdings zu einer christl. Kapelle umfunktioniert.

Der arme Wächter muß immer die Nächte auf der Akropolis verbringen, so hat er sich eine kleine Fernsehantenne auf die Kapelle gebaut. Kreativ!

Baptisterium aus dem 6. Jh. und Reste eines Bades.

So sitze ich wieder im Sattel Richtung Ksamil und genieße abwechselnd Bauruinen, Fähren und Kreuzfahrer. Denn in der Meeresenge zwischen Korfu und Südalbanien müssen alle Schiffe durch, sehr zu meiner Freude.

Gut, daß ich mich so früh auf den Weg gemacht habe, denn jetzt kommen Busweise die Kreuzfahrer an. Zwischen denen wird es schon mal eng und die ständig plappernden Guides in allen möglichen Sprachen sind auch nicht mein Fall. Da kaufe ich mir lieber einen Prospekt und lese in aller Ruhe.

17.- 19. 5. Ksamil/Butrint  -  Himare                                                                    74  km                  Ges:  2032 km          

Leider war der Kulminationspunkt dieser Reise erreicht und ich mußte die Vorderräder wieder nach Norden ausrichten. Doch der Schmerz war gering, sollte doch jetzt der schönste Teil, nämlich die albanische Riviera kommen. Es ist ein Traum, die südalbanische Küstenstraße entlang zu fahren. Mal fährt man ganz auf Meeresebene, dann wieder hoch hinauf. Es reiht sich hier Bucht an Bucht, ein Paradies für Freisteher. Die mehrheitlich griechische Bevölkerung hier im Süden ist sehr tolerant und läßt jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Unten: Diese fast leere Bucht beehrten wir mit einer ausgiebigen Mittagsrast, Verdauungschläfchen und anschließend einem erfrischenden Bad im Meer. Hier gibt es den Sand, den ich am meisten liebe: Grobkörnig, also perfekt zu begehen und er sorgt gleichzeitig für ein kristallklares Wasser.

Die Einfahrt zum einzigen U-Boot Bunker, leider Sperrgebiet.

Erst am Spätnachmittag erreichten wir den CP Moskato, denn der Kranea war uns zu überfüllt. Ich habe mich leider direkt unter eine 3 kV Leitung gestellt und dank prasselnder Isolatoren keinen TV Empfang genossen, die 2 einzigen TV losen Tage unserer Reise. Doch 2 Tage baden, faulsein und am Abend jeweils eine kleine Bergtour, so kann man es aushalten. Vom Berg aus kann man sogar bis zum Festland Griechenlands schauen.

Diese Bergwanderung hatte es speziell in sich, da wir zum Sonnenuntergang oben sein wollten und der Pfad sich als schwieriger als erwartet erwies. Aber die albanischen Ziegen wiesen uns mit ihren Schokobohnen den Weg und vereinzelte rote Striche brachten uns immer wieder auf den Pfad der Tugend zurück.

Wenn Ziegen hin kommen, dann schaffen wir zwei Stierwascher das auch. Natürlich sind Bilder aus gut 200 m Höhe wesentlich wirksamer, als Bilder vom Strand.

Der CP Wirt hatte uns zufällig zwischen den Felsen herum krabbeln gesehen und brachte uns bei der Rückkehr unaufgefordert zwei schäumende Krüge Elbar. Sehr willkommen!

Beim Abstieg kam dieser Bunker als Rastplatz gerade recht.

20. 5. Himare  -  Orikum                                                                  60  km                  Ges:  2092 km          

Die Fahrt nach Norden hatte schon bald ein Highlight zu bieten: Die unzähligen Serpentinen des Llugaro Passes.

Leider ist vom früheren Freisteher Paradies Dhermi nichts übrig geblieben. Es wurde konsequent zugebaut.

Die Weiterfahrt auf der Nordseite des Passes war beit weitem nicht so spektakulär, denn sie verlief weitgehend im Wald.
Etwas weiter nördlich bei Orikum sollte es lt. eines niederländischen SP Führers einen schönen Stellplatz direkt am Meer geben. Dieser war längst aufgelassen. So fuhren wir los, einen Freistellplatz zu finden. Diesen fanden wir auch bei einer Taverne, wo der Sohn des Besitzers mit kühnen Sprüngen bis zur Fahrbahmitte Kunden anzulocken versuchte. Bei uns gelang ihm das auch sofort und wir durften auf dem Gästeparkplatz übernachten. Er erwies sich als äußerst liebenwerter junger Mann, der sehr gut Englisch und etwas Deutsch sprach.
Das Wetter wurde leider ständig stürmischer und versprach für die nächsten Tage nichts Gutes.

21. -  22. 5. Orikum   -  Durres                                                              116  km                  Ges:  2208 km          

Mögen angekündigte Revolutionen nicht stattfinden, angekündigtes Schlechtwetter dagegen immer! Wir wachten schon auf mit dem bekannten Trommeln am Dach. Abbau im Regen, losfahren ohne entspanntes Frühstück, die Aussicht, 2 Großstädte bei Regen durchfahren zu müssen, das war eine Fülle von schlechten Vorzeichen.
So kam es auch. Als wir Vlore erreichten hörte der Regen auf, um einem Wolkenbruch mit Sturm zu weichen. Die nur andeutungsweise vorhandene Kanalisation sorgte dafür, daß wir schnell nur mehr durch eine braune Brühe fuhren, die keinen Blick auf die Fahrbahn zuließ. Wir fuhren möglichst hinter Taxis oder Öffis her, weil die am ehesten eine fahrbare Furt zu wissen versprachen. Ich bedaure es zwar, daß an dem Tag kein einziges Foto zustande kam, aber wir waren vor lauter Streß nicht in der Lage dazu. Schlimmer noch, wir dachten nicht einmal daran

Bei der Weiterfahrt Richtung Fier kam dann noch ein heftiges Gewitter hinzu, wobei ein Blitz direkt neben uns einschlug. Blitz und Knall waren gleichzeitig. Alle Anzeigen am Armaturenbrett spielten verrückt, ebenso Navi und Rückwärtskamera. Seitdem weiß ich aus eigener Anschauung, was ein EMP (Electro Magnetic Pulse) ist. Gottseidank half Stehenbleiben, alles Ausschalten und wieder neu Starten. Es war also nichts dauerhaft defekt geworden.

Die Stadtdurchfahrt Fier erwies sich als eine 1:1 Kopie von Vlore, aber auch die überstanden wir ohne Blessuren. Die schöne rote Bundesstraße als Umfahrung von Fier war leider gesperrt, deshalb wieder durch die Stadt.

In einem Badeort vor Durres fanden wir ein Hotel mit kleinem CP, wo wir endlich Station machen konnten. Auch hier war ein Spaziergang ein Hindernislauf auf abgesoffenen Straßen und Gehwegen. Gegen Abend wurde es schöner und wir kamen mit Hans, einem sehr netten Wowa-Alleinfahrer aus Freistadt ins Gespräch. Unseren geplanten Durres Besuch per Bus hat er kurzerhand umgeplant, indem er schlicht sagte: Nix da, wir fahren gemeinsam in meinem Pkw.

Für Hans, wurde sogar extra ein bescheidener Triumphbogen gebaut. Es ging die Stadtmauer entlang zum Amfietheater, das zwar an der Oberfläche nicht so gut erhalten ist, doch wurden die unterirdischen Räume vorbildlich restauriert und den Besuchern zugänglich gemacht. Das kommt gar nicht so oft vor.
Diese Räume waren den wilden Tieren, aber auch den meist christlichen Gefangenen vorbehalten, die dann zum Gaudium der römischen Besatzer aufeinander losgelassen wurden.

Es gäbe noch viel über Durres zu zeigen.  Leider ist der große Hafen für das Publikum nicht zugänglich. Dort legen alle Kreuzfahrtschiffe und Fähren, sowie viele Frachtschiffe an.

Waren die Stufen nie da, oder sind sie verkommen? Ungewiss

Diese Villa am höchsten Punkt der Stadt empfahl uns der Reiseführer. Oben war alles verrammelt und versperrt. Davor ein Schild: Zu verkaufen. (Wir konnten das schon lesen)

Dafür war der Blick auf Neustadt und Meer nicht zu verachten.

22. -  25. 5.  Durres -  Ulcinj / Montenegro                                                   160  km                  Ges:  2368 km          

Wir hatten endlich Gelegenheit, diese sehr häufig angetroffene Kinderrutsche in Form eines Passagierflugzeuges aufzunehmen.

Daneben wieder einmal eines der fast fertig gestellten Häuser. Wenn man sich diese näher ansieht, entdeckt man meist Rost und beginnenden Verfall.
Wir durchquerten Lezhe, die eine erstaunlich ähnliche Burg wie Shkodra besitzt. Auf eine Ersteigung verzichteten wir, da jetzt nur noch Lust auf mehrere Badetage bestand. Deshalb durchfuhren wir auch Shkodra ohne Aufenthalt, jedoch nicht ohne ein letztes Foto von der Burg, diesmal bei Schönwetter. Die Ausreise aus Albanien war wieder Minutensache, wogegen die Montenegriner wieder ihren Wichtigtuer Zirkus mit insgesamt 40 Minuten Wartezeit aufführten.

Damit endet auch der Teil zwei, nämlich Albanien intensiv. Wir haben viel erlebt und dürfen sagen, wir haben uns keinen Moment unwohl oder unsicher gefühlt. Die Gastfreundschaft der Albaner ist spektakulär und man kann sie nicht stärker beleidigen, als wenn man diese ausschlägt. Ein kleines Beispiel: Wir standen frei am Meer, nebenan hat eine alte Frau ein Dutzend Hühner gehalten. Diese scharrten und suchten auch um unser Womo herum. Lockerine gab der alten Frau einen Sack mit altem Brot, weil wir wissen, Hühner mögen das gerne. Ein paar Minuten später stand die betagte Dame mit 2 Eiern als Gegengeschenk da. Die abzulehnen, wäre eine Beleidigung gewesen. Wieder ein Beispiel für die gut funktionierende nonverbale Kommunikation.

Wenn ihr uns auch auf der langen Heimreise begleiten mögt, drückt einfach den entsprechenden Button.

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