Augsburg

25. - 28.8.  Bergheim - Wanghausen - Augsburg                                                     240  km                  Ges:  240 km          

Wir hatten schon vor zwei Jahren hier übernachtet, da wir zum Weiterfahren zu müde waren. Wir genossen den schönen naturbelassenen Badesee. Für einen Besuch der alten Fuggerstadt blieb leider keine Zeit mehr. Dies wollten wir heuer nachholen und es hat sich wirklich gelohnt.

Die 6 km in die Altstadt nahmen wir per Bus, da ohnehin jede Menge Pflastertreten anstand, wie der Plan schon erwarten ließ.

Zuerst besuchten wir das Marktviertel, das sich als nicht sehr attraktiv erwies.

Am Ausgang fielen wir fast über dieses wunderschöne Gebäude, welches das historische Zeughaus ist.

Doch nun ging es in die Fuggerstrasse mit seinem Fuggerpalast, den Jakob Fugger in vornehmer Zurückhaltung Fuggerhäuser genannt hat.

In diesem Gebäudekomplex wurden alle Geschäfte von Jakob dem Reichen mit den stets an Geldmangel leidenden Habsburgern abgewickelt. Vorwiegend Kaiser Maximilian der Erste war ständiger Kunde.

Die Gebäude sind auch heute noch in tadellosem Zustand erhalten und können samt allen vier Höfen besichtigt werden. Der erste Hof war den Damen vorbehalten. Sie durften bei den in den hinteren Höfen stattgefunden Geschäftsgesprächen nicht anwesend sein.

Heute sie die meisten EG Räume an Ärzte, Notare und sehr teure Geschäfte vermietet.

Das Rathaus mit seinem dazu gehörigen Perlachturm ist fast ein Wahrzeichen der Stadt. Der sehr interessante goldene Saal konnte leider nicht besucht werden, da die hypermodernen Ticketautomaten ein Totalversagen hatten. Manueller Verkauf ist nicht vorgesehen und auch nicht vorhanden. Ärgerlich.

Und schon trugen uns Schusters Rapen weiter die lange Fuggerstraße bis zu den St. Ulrich Kirchen. Dieser Gebäudekomplex ist deshalb so interessant, weil er je eine katholische und eine protestantische Kirche beherbergt. Der katholische Teil ist sogar ein Dom

Das Weberhaus ist auch eine Attraktion.

Fast dieselbe Ansicht aus den Jahren 1933 und 2019 zeigen doch einen krassen Unterschied in der Denkweise.

Freuen wir uns, daß wir im Heute leben.

 

 

 

 

 

Der fast autofreie riesige Rathausplatz.

Gleich nach diesen herrlichen Ansichten machten wir uns auf unseren letzten Kopfstein-Pflaster Marsch, denn die Füße fingen schon an zu protestieren.

Aber die Fuggerei mit den kasernenähnlichen Gebäuden war ein Pflichtbesuch. Hier hat Jakob Fugger für verschämte Arme das erste Sozialzentrum der Welt errichtet. Verschämte Arme waren katholische Augsburger, die durch Unfall, Krankheit... erwerblos wurden und ihre Familie nicht mehr ernähren konnten. Sie zahlten und zahlen noch heute einen Rheingulden = € 0,88 Jahresmiete plus 3 Gebete täglich für das Seeleheil des jeweiligen Fuggers. Nach damaligen Glauben konnte ein reicher Kaufmann unmöglich ein Leben ohne Sünde führen. Die ca. 500 Gebete täglich sollten ihm recht flott wieder aus dem Fegefeuer helfen. Ich habs geahnt, die reine Nächstenliebe wird durch den eigenen Vorteil stets kräftig entfacht. All diese Weisheiten habe ich von der redefreudigen Ticket Verkäuferin. Ich mußte sie leider einbremsen, da sich hinter uns schon eine längere Schlange gebildet hatte.

So sieht die Anlage heute mit ihren 142 Wohnungen aus, wovon eine nicht vermietet wird und dem zahlenden Publikum zugänglich bleibt.

Und so leben die Bewohner heute, meist verwitwete Mindestrentnern/innen. Ja ich gebe zu, es ist kein Leben in Luxus, aber immerhin in Würde. Durch die billige Miete geht sich auch oft ein Besuch im dazugehörigen Biergarten aus, der auch Kaffee und Kuchen anbietet.

Durch die kasernenartige Anlage wurden in WK-1 und WK-2 Bomberangriffe befürchtet und so wurde um 1940 ein Bunker für die Bewohner gebaut. Wir haben ihn zwar besucht, aber Bilder möchte ich euch ersparen.

1945 wurde die Fuggerei wirklich zerbombt, doch nach dem Krieg durch die Fugger Stiftung sofort wieder aufgebaut.

Den nächsten Tag haben wir am See mit Fußpflege und Schwimmen verbracht. Ersteres war wirklich nötig, um wieder ordentlich auf die Beine zu kommen.

wir danken wie immer sehr herzlich unseren Mitreisenden

lockerine & locker

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